Kurde sein im Abendland

rannveig Kopie

von Rannveig Einarsdóttir

Der Selbstfindungsprozess in einer fremden Kultur ist ein Wechselspiel zwischen dem Wunsch nach Zugehörigkeit und dem Bedürfnis nach Abgrenzung. Kurdische Asylanten sind nach ihrer Flucht vor den Schrecken des Bürgerkrieges in Syrien mit einer neuen Lebensrealität konfrontiert und müssen ihre Identität in der Fremde neu finden. Die aktuelle, aufgeheizte Flüchtlingsdebatte in Deutschland zeigt, wie problematisch die Asylsuchenden hier gesehen werden. Die Flüchtlinge selbst haben wenige Möglichkeiten, sich in die öffentliche Debatte einzubringen. Den Wert, den ihre kurdische Herkunft, ihr Kampf um Unabhängigkeit in ihren Herkunftsländen und
ihre islamisch geprägte Kultur haben, wird im christlich geprägten Westeuropa von außen definiert. Das Selbstbild der syrischen Kurden wird durch ihre Erfahrungen im anderen Kulturkreis neu geformt. Ob ihre existentielle Neufindung gelingt, hängt auch davon ab, ob den Flüchtlingen Ablehnung oder Offenheit entgegengebracht wird.

The process of self-discovery in a foreign culture is an interplay between the desire to belong and the need for distinction. Kurdish asylum seekers are, after fleeing the horrors of the civil war in Syria, confronted with a new reality in life and they have to find a new identity in a foreign environment. The current, heated refugee debate in Germany shows how their situation is viewed as problematic. The refugees themselves do not have much opportunity to take part in public debate. The value that their Kurdish origin, their fight for independence in their countries of origin and their Islamic culture has, is defined from outside by predominantly Christian countries of Western Europe. The self-image of the Syrian Kurds is redefined through new cultural experience. Whether their existential redefinition succeeds depends on whether the refugees are met with rejection or openness.

Previous post
Next post

Leave a Reply

Name (required)

Website